STADT UND LAND Wohnen

Neukölln im Fokus

Gisela Gürtler fotografiert „Kiez Gesichter“ im Bezirk – Ausstellung unter freiem Himmel

Wie oft gehen wir im hektischen Alltag durch die Straßen, ohne wirklich auf die Menschen um uns zu achten? Wie oft beschleichen uns Vorurteile und Wertungen, wenn wir ihnen doch einmal ins Gesicht schauen? Selten stellen wir uns unserem Gegenüber mit unserem Namen vor, und noch seltener fragen wir nach seiner Geschichte.

Seit fünf Jahren gibt es das Projekt „Kiez Gesichter“, in dessen Rahmen die Neuköllner Fotografin Gisela Gürtler Personen porträtiert und interviewt, die im Bezirk und der Umgebung leben oder arbeiten. Dutzende Fotos sind bisher entstanden, drei Ausstellungen unter freiem Himmel gab es bislang.

Für die vierte Ausstellung mit dem Titel „Stadt & Land – Kiez Gesichter“, die am 16. Juni 2024 eröffnet wurde, sind 30 Porträts entstanden – von Einzelpersonen, Paaren, Familien oder Menschen, die zusammenarbeiten. Da ist der Inhaber eines Spätis mit seinem Sohn, junge Designerinnen, Kinder, Geistliche, ein Schäfer, ein Mitarbeiter der STADT UND LAND … Die Fotos zeigen, wie bunt Neukölln ist. Und dass jeder Mensch eine Geschichte hat, die es sich lohnt zu erzählen. Zu sehen sind die Aufnahmen am Haus Reuterstraße / Ecke Pflügerstraße sowie entlang des Zauns des Nachbarschaftsgartens der ajb GmbH in der Hobrechtstraße 55 in Neukölln. Die STADT UND LAND unterstützt das Projekt zum wiederholten Mal.

Seit 2017 arbeitet Gisela Gürtler als selbstständige Fotografin. Zu den „Kiez Gesichtern“ inspiriert hat sie die französische Filmemacherin und Fotografin Agnès Varda, die einst Menschen im ländlichen Frankreich ablichtete. „Ich wachse auch künstlerisch an dem Projekt“, sagt sie. „Das ist ein großes Geschenk, und das sieht man auch auf meinen Fotos.“ Authentizität und Natürlichkeit sind ihre fotografische Handschrift, ebenso der künstlerische Aspekt ihres Handwerks wie der Bildaufbau. „Das Projekt ist seit 2019 gewachsen, im Kiez Neukölln bekannt geworden und bereichert ihn und mich“, erzählt die sympathische Frau.

Ihre Modelle findet die Fotografin im Alltag: „Ich beobachte einfach oder spreche Menschen an, denen ich immer wieder auf der Straße begegne.“ Wie die 96-jährige Dame, die schon seit 90 Jahren in Neukölln wohnt. Inzwischen kommen Interessierte auch auf sie zu. „Das Projekt hat spürbar etwas bewegt im Kiez“, freut sich Gisela Gürtler. Es rückt nicht nur den Fokus auf die Menschen, die in Neukölln leben und arbeiten; auch das lokale Gewerbe erhält Aufmerksamkeit.

Sie finde schnell Zugang zu den Menschen, berichtet die Fotografin. Die Porträtierten dürfen entscheiden, wo sie fotografiert werden, was sie tragen – denn sie sollen sich wohlfühlen. Viele erzählen im Interview die persönlichsten Dinge, von Krankheit oder Verlust, eben was sie bewegt. Die fertigen Bilder sehen auch die abgebildeten Menschen erst, wenn sie bei der Ausstellungseröffnung enthüllt werden. „Das ist oft sehr emotional“, so Gisela Gürtler.

Mehr als 100 Porträts sind inzwischen entstanden. Erstmals werden die Aufnahmen auch in einem Buch veröffentlicht, das Gisela Gürtler gemeinsam mit dem Grafiker Christoph Kießig gestaltet hat. Noch bis Oktober 2024 werden die Porträts unter freiem Himmel zu sehen sein.

Die „Kiez Gesichter“ gibt es auch zum Nachlesen und Durchblättern: Wenn Sie Interesse an dem Buch zum Projekt haben, können Sie über die Website von Gisela GürtlerDieser Link führt zu einer externen Seite Kontakt aufnehmen oder direkt eine E-Mail senden: info@giselaguertler.de

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