Netzwerke knüpfen und Präsenz zeigen

Netzwerke knüpfen und Präsenz zeigen

© Photothek /Felix Zahn
In den Quartieren alles im Blick behalten, gute Ideen unterstützen und sich eng mit den Mieterbeiräten austauschen – all das gehört zu den Aufgaben einer Quartierskoordinatorin. Bei der STADT UND LAND gibt es drei Mitarbeiterinnen, die genau dafür zuständig sind: Jede für ein eigenes Gebiet. STADT UND LAND – Das Magazin hat sich mit den dreien zum Spaziergang getroffen.
Seit etwas mehr als einem Jahr ist Aurelia Holbach bei der STADT UND LAND. Sie ist Quartierskoordinatorin im Servicebüro Treptow und dort zuständig für die Wohngebiete von Alt-Treptow bis Bohnsdorf. Im September 2025 kamen Pia Rafalski und Silke Hamm ins Unternehmen. Pia Rafalski ist Quartierskoordinatorin im Servicebüro Hellersdorf. Ihr Zuständigkeitsgebiet reicht von der Alten Hellersdorfer Straße bis Schleipfuhl. Die Wohnquartiere der zusammengeführten Servicebüros Tempelhof und Neukölln sind schließlich der Tätigkeitsbereich von Silke Hamm. Sie ist regelmäßig von Köllnische Heide bis Lichtenrade unterwegs.
„Als landeseigene Wohnungsbaugesellschaft hat die STADT UND LAND den Anspruch, den Bestand von rund 53.000 Wohnungen auch mit Blick auf soziale Aspekte zu bewirtschaften und ihre Quartiere positiv zu entwickeln“, erklärt Aurelia Holbach. „In den vergangenen Jahren haben soziale Spannungen und Polarisierungen leider überall in der Gesellschaft zugenommen. Das Thema Einsamkeit wird ebenfalls immer drängender. Das alles gilt natürlich auch für die Wohnquartiere der STADT UND LAND. Doch das Unternehmen möchte diesen Entwicklungen etwas entgegensetzen und die Nachbarschaften vor Ort stärken. Deshalb wurden unsere drei Stellen in den Servicebüros neu geschaffen“, fasst sie zusammen.
„Uns ist wichtig, dass sich alle Menschen, die bei der STADT UND LAND wohnen, mit ihren Quartieren identifizieren und sich dort wohlfühlen. Egal, ob sie schon lange bei uns wohnen oder frisch zugezogen sind“, ergänzt Pia Rafalski. „Alle wissen, wie angespannt der Berliner Wohnungsmarkt seit vielen Jahren ist. Früher wurde über Leerstand diskutiert, heute müssen wir überlegen, wie der soziale Zusammenhalt wieder gestärkt wird“, fügt sie hinzu. „Das ist unsere Kernaufgabe als Quartierskoordinatorinnen – so unterschiedlich die einzelnen Wohngebiete auch sind.“
Lobbyarbeit für die gute Sache
Aber wie geschieht das konkret? „Wir schaffen Verbindungen und knüpfen vor Ort die richtigen Kontakte“, schildert Silke Hamm. „Wir schauen ganz konkret, welcher Verein, welche Initiative oder welche Alteingesessenen aus der Nachbarschaft in den Kiezen Projekte oder Mitmachaktionen anbieten, die unterstützt werden sollten. Natürlich können wir das alles nicht selbst herbeizaubern, aber wir können unterstützen und vielleicht auch auf weitere Finanzierungsquellen hinweisen. Wir sprechen mit dem Bezirk, potenziellen Geldgebern und Unternehmen im Kiez. Auch innerhalb der STADT UND LAND loten wir aus, wo vielleicht eine Unterstützung möglich ist; etwa durch die Abteilung Gewerberaumvermietung“, berichtet sie von ihren Erfahrungen in den ersten Wochen. „Netzwerke zu knüpfen ist gewissermaßen Teil unserer Stellenbeschreibung.“
Ganz neu ist diese Idee nicht. Auch schon in den zurückliegenden Jahren wurden diese Aufgaben in den Quartieren koordiniert, allerdings zentral aus dem Bereich Bestandsmanagement in der Unternehmenszentrale der STADT UND LAND. „Neu ist, dass nun für jedes der drei großen Bestandsgebiete eine einzelne Person verantwortlich ist – und dies vor Ort in den Servicebüros. So sind es kurze Wege in die Quartiere, und wir können dort gut Präsenz zeigen“, erläutert Aurelia Holbach, die im Herbst 2024 in Treptow den Anfang mit dem neuen Aufgabenzuschnitt gemacht hat.
In der Fachsprache nennt man dieses Prinzip auch gerne „Subsidiarität“. Das bedeutet, dass die Befugnis, sich um Probleme zu kümmern, dort liegen sollte, wo auch die Herausforderungen entstanden sind. Also wenn es in einer Siedlung Ärger wegen zu viel Sperrmüll, vergessener Fahrräder oder einer kaputten Schranke gibt, sollen sich auch die Verantwortlichen direkt vor Ort darum kümmern können.
Beispiele zur Nachahmung
Im Alltag können dies auch kleine Beispiele sein, so etwa die „Kümmer-dich-um-deinen-Kiez-Station“ im Rahmen von „Null Müll Neukölln“. „Wir sind ein bisschen stolz, dass bei uns im Rollberg-Viertel die erste Box dieser Art aufgestellt werden konnte“, erzählt Silke Hamm, in deren Gebiet das Viertel liegt. „Aus dieser Box können sich Mieterinnen und Mieter nach vorheriger Anmeldung Geräte ausleihen. Schaufel, Besen, Müllgreifer – alles, was man gut gebrauchen kann, ist hier vorrätig. Und wenn man mit dem Aufräumen fertig ist, packt man wieder alles zurück.“
Aber auch ein vermeintlich kleines Projekt wie dieses braucht seine Vorbereitung. Dazu wurde unter anderem in Abstimmungsgesprächen mit allen Beteiligten der optimale Standort bestimmt. Die STADT UND LAND hat als Flächeneigentümerin die Standortgenehmigung erteilt und die Fläche auspflastern lassen. Die Standortpatenschaft wurde durch das Quartiersmanagement Rollberg übernommen, vor dessen Räumlichkeiten die Box aufgestellt wurde.
„Ein anderes Beispiel ist der Klub 74 bei uns in Hellersdorf“, berichtet Pia Rafalski. Die Seniorenbegegnungsstätte im Erdgeschoss eines Wohnhauses der STADT UND LAND bietet seit vielen Jahren nicht nur den Bewohnenden der Straße Am Baltenring Austauschformate, sondern steht allen Menschen im Bezirk offen. „Wir unterstützen den Verein, seit er 1992 von Ehrenamtlichen aus der Nachbarschaft gegründet wurde.“
Zusätzlich zu den vielen kleinen Projekten gibt es in den Bestandsgebieten der STADT UND LAND inzwischen auch vier Nachbarschaftstreffs, die das Tochterunternehmen SOPHIA als sozialer Dienstleister betreibt und im Rahmen des gemeinnützigen Vereins auch im Ehrenamt unterstützt. Nach der John-Locke-Siedlung, dem Kosmosviertel und der Gothaer Straße kam im September 2025 der neue Treff in den Buckower Feldern dazu. Auch in den Nachbarschaftstreffs schauen die Quartierskoordinatorinnen regelmäßig vorbei und nehmen an Veranstaltungen teil.
Demokratische Mitwirkung
Ein wichtiger Aufgabenbereich fehlt noch: die Unterstützung der Mieterbeiräte. „In den Wohngebieten der STADT UND LAND gibt es derzeit insgesamt 17 Mieterbeiräte. In diesen 17 Gremien engagieren sich Menschen ehrenamtlich, die auch in den jeweiligen Quartieren wohnen.
Sie sind das Sprachrohr der Nachbarschaft vor Ort, vertreten die Interessen der Mietenden ihres Quartiers und können als Bindeglied zwischen den Mieterinnen und Mietern sowie der STADT UND LAND gesehen werden“, erklärt Aurelia Holbach. „Seitens der STADT UND LAND betreuen wir die Mieterbeiräte und organisieren die entsprechenden Wahlen in den Wohngebieten.“
„In einigen Nachbarschaften sind schon seit vielen Jahren Mieterbeiräte aktiv, wie etwa bei uns im Grabenviertel“, ergänzt Pia Rafalski. „Andere wurden erst ganz neu gewählt und beginnen gerade ihre fünfjährige Amtszeit.“ Diese Art der demokratischen Mitwirkung in der Stadtgesellschaft ist wirklich eine wichtige Funktion, und dennoch gibt es eine Herausforderung: „Es wird immer schwieriger, genügend Freiwillige zu finden“, so Silke Hamm. „Dann kann es eben auch vorkommen, dass ein Mieterbeirat zunächst nicht besetzt werden kann.“
Eine letzte Frage: Wie koordinieren die drei sich selbst, wenn doch jede von ihnen in einem anderen Gebiet tätig ist? „Wir haben nicht nur einen wöchentlichen Jour fixe, sondern stimmen uns eigentlich permanent zu den wichtigen Themen ab. Denn die positive Quartiersentwicklung ist doch unsere gemeinsame Aufgabe, unabhängig davon, wo der eigene Schreibtisch steht.“