Ćevapčići und Palačinke

Ćevapčići und Palačinke

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Im Jahr 1974 wurde die Bundesrepublik Fußballweltmeister, Helmut Schmidt zog ins Bundeskanzleramt ein und ABBA siegte mit „Waterloo“ beim ESC, der damals noch „Grand Prix“ hieß. Im selben Jahr eröffneten Jelena und Marko Skrobonja ihr Restaurant in West-Berlin – und sie betreiben es am selben Standort in der Neuköllner Straße 316 in Rudow bis heute. Das Lokal ist seit 52 Jahren eine Institution im Berliner Süden. Willkommen in Marko’s Schlemmerstube!

Das junge Ehepaar Skrobonja war Ende der 1960er-Jahre aus Jugoslawien nach West-Berlin gekommen. Damals gab es noch den Begriff „Gastarbeiter“ für Menschen, die als Arbeitskräfte für die Bundesrepublik Deutschland angeworben wurden. Beide stammen von der kroatischen Adriaküste in der Nähe der Urlaubsinsel Krk, südlich von Rijeka. In der Küche dieser Region mischen sich die kulinarischen Einflüsse des Balkans, aber auch aus Österreich, Böhmen und Ungarn, gehörte sie doch einst zum Reich der Habsburger.
„Wir wollten ein Lokal eröffnen – mit Spezialitätenunserer Küche und mit internationalen Gerichten“, berichtet Jelena Skrobonja. 23 Jahre war sie damals erst alt, als sie und ihr Mann den Tipp bekamen, in einem Neuköllner Neubauviertel gäbe es ein geeignetes Gebäude. „Zuerst haben wir mitgeholfen, das Haus fertig zu bauen. Dann haben wir das Lokal eröffnet. Ringsherum war noch Brachland mit viel Schlamm, ehe alle Straßen asphaltiert wurden“, erinnert sich die Inhaberin an diese frühe Phase.

Stammgäste und Familienfeiern

„Vom Tag der Eröffnung an war unser Lokal rappelvoll. Die Menschen standen Schlange. Denn wir waren das erste Restaurant mit ausländischer Küche im Süden von West-Berlin“, so Jelena Skrobonja. Schnell hatte sich herumgesprochen, dass es nun auch echte Balkan-Küche in Rudow gab: Gut und reichlich – das war immer die Maxime. Niemand sollte hungrig vom Tisch aufstehen. So wuchs schnell die Zahl der Stammgäste, die für Ćevapčići mit Djuvec-Reis und Ajvar oder gegrillten Fisch in „Marko’s Schlemmerstube“ kamen.
Unzählige Familienfeiern haben hier stattgefunden. Manche Familie aus der Nachbarschaft hat von der Tauffeier über Konfirmation bis zur Hochzeit hier gefeiert. Später kamen dann noch die Silber- und Goldhochzeiten dazu. „Vergessen wir nicht die Geburtstagsfeiern“, ergänzt Jelena Skrobonja. „Kürzlich hat eine Nachbarin ihren 103. Geburtstag bei uns gefeiert.“
Seit etwa 20 Jahren gehört das Gebäude zum Bestand der STADT UND LAND. „Wir sind mit der STADT UND LAND als Hausverwaltung sehr zufrieden. Unsere Ansprechpartnerinnen sind sehr nett. Das ist viel Wert. Und wenn mal etwas zu reparieren ist, muss man nie ein zweites Mal schreiben oder anrufen. Es klappt immer gleich beim ersten Hinweis“, fasst Jelena Skrobonja ihre Erfahrungen zusammen.
Was empfiehlt die Restaurantinhaberin, wenn es mal kein Ćevapčići-Teller, aber dennoch eine original kroatische Spezialität sein soll? „Dann gebe ich den Gästen den Tipp, doch mal unsere Sarma zu probieren. Das sind Krautwickel, mit Fleisch gefüllt, ähnlich wie es sie auch in der böhmischen oder schwäbischen Küche gibt.“ Bleibt nur noch die Frage nach dem besten oder beliebtesten Dessert. „Die Antwort ist einfach: Palačinke. Mit Vanilleeis, Schokocreme oder Konfitüre. Den ungarischen Palatschinken gibt es eben auch in der kroatischen Küche.“ Jeweils drei gerollte Pfannkuchen werden als Nachspeise serviert. Wenn das kein guter Abschluss für ein gelungenes Essen ist?!