Die Alte Dame und ihre Töchter

Die Alte Dame und ihre Töchter

STADT UND LAND FACILITY unterstützt den Frauenfußball bei Hertha BSC

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Selbst wenn man Berlinerinnen und Berliner mit wenig Sportkenntnis fragt, wer die „Alte Dame“ ist, kommt die Antwort schnell: Hertha BSC. Der Name geht auf das Dampfschiff Hertha zurück, das bei der Vereinsgründung im Jahr 1892 Pate stand. Obwohl „Hertha“ weiblich klingt, sorgen meist die Profis des Hauptstadtclubs für Schlagzeilen. Doch der Mädchen- und Frauenfußball wächst seit einigen Jahren beständig – mit Unterstützung der STADT UND LAND FACILITY.

Seit 2023 gibt es Mädchen- und Frauenfußball als eigene Sparte. Das Besondere: Die Initiative kam von den Fans. Auf Beschluss der Mitgliederversammlung 2022 erhielt der Verein den Auftrag, den Mädchen- und Frauenfußball bei Hertha BSC fest zu integrieren. Mit Sofian Chahed fand sich sofort der richtige Leiter Frauenfußball. Eingefleischten Herthanern ist der Name vertraut: 1999 wechselte er in die Nachwuchsabteilung des Hauptstadtclubs, 2003 in das Profiteam. Nach einer Etappe bei Hannover 96 begann er seine Trainerlaufbahn: zunächst in der Hertha BSC Fußball-Akademie, dann bei Turbine Potsdam – und seit dem 1. Juni 2023 ist er zurück in seiner neuen Rolle bei Hertha BSC.

„Aktuell haben wir fünf Mannschaften und insgesamt 118 Spielerinnen. Neben den 1. Frauen sind das die U20, U17, U15 und U13“, erklärt Sofian Chahed. Die U13 – also Spielerinnen unter 13 Jahren – trainiert zwei- bis dreimal pro Woche, alle anderen Teams vier- bis fünfmal. Die U13 und U15 trainieren bei Hertha 03 Zehlendorf, die anderen drei Mannschaften auf dem Olympiagelände. Dazu kommen Einheiten im Kraftraum und Athletiktraining.
„Auch wenn wir mit den Juniorinnen noch nicht im Leistungssport sind, wird deutlich, dass sie mit großem Ehrgeiz und hoher Qualität agieren. Es ist weit mehr als reiner Amateursport, viel mehr ambitionierter und zielgerichteter Nachwuchssport“, ordnet Sofian Chahed ein.

Der Berliner Weg

Der unter dem verstorbenen Hertha-Präsidenten Kay Bernstein eingeschlagene „Berliner Weg“ gilt auch im Mädchen- und Frauenfußball. „Statt Talente für unsere 1. Frauen einzukaufen, bilden wir selbst unsere Spielerinnen aus. Wir schaffen also die Grundlagen. Das ist langwieriger, am Ende aber lohnender. Schließlich sollen auch die Frauen Vorbilder für die Mädchen sein“, beschreibt Sofian Chahed die Strategie.
Doch das Olympiagelände hat Grenzen. Nicht alle Mädchen können Teil der Teams werden. „Wir wollen für Mädchen und Frauen einen geschützten Raum anbieten. Dazu gehören eigene Umkleiden, Duschen und Ähnliches. Und auch wir erleben, was andere Berliner Vereine kennen: Es fehlen Trainingsflächen. Wir müssen mit dem arbeiten, was wir haben“, sagt Sofian Chahed. Gab es in den ersten zwei Jahren noch neun Mannschaften, kehrte der „Breitensport“ inzwischen zu Hertha 03 Zehlendorf zurück.
Die Trainerinnen und Trainer wissen um ihre Verantwortung im Umgang mit jungen Menschen. Weiterbildungen und Workshops gehören für sie neben den täglichen Aufgaben und ihrem Vollzeitjob dazu.

Nach der Schule zum Training

Den Anfang einer Laufbahn bei Hertha BSC bilden heute Sichtungstrainings, meist im Frühjahr. So war es auch bei Nelly Palmer, 18, heute bei den 1. Frauen: „Ich spiele Fußball, seit ich sieben Jahre alt bin. In Erinnerung geblieben ist vor allem das gemeinsame Spielen mit Klassenkameraden auf Spielplätzen und in Parks. Dort wurde ich schließlich von einem Trainer angesprochen und zu einem Probetraining eingeladen.“ Der Verein prägt den Alltag. „Abseits der sportlichen Inhalte schätze ich vor allem das Miteinander innerhalb der Mannschaft. Die gemeinsame Zeit mit meinen Mitspielerinnen, mit denen mich viele gemeinsame Interessen verbinden, ist ein zentraler Bestandteil meines Vereinslebens. Bei Hertha BSC habe ich enge Freundschaften gefunden.“ Das bestätigt auch Elin Huesker aus der U15: „Es macht meinen Tag schöner, wenn ich die Beständigkeit habe, dass ich nach der Schule zum Training gehe. Dann habe ich abends eine ‚Routine‘ mit einer vertrauten Umgebung und dem Miteinander mit meinen Mitspielerinnen.“
Die Entscheidung für Hertha BSC fiel beiden leicht. Nelly Palmer besuchte schon als Siebenjährige mit ihrem Vater Spiele im Olympiastadion. Auch Elin Huesker hat nicht lange gezögert: „Ich bin vor zwei Jahren zu Hertha gewechselt, weil es zum einen ein Traditionsverein ist, der in Berlin und Deutschland bekannt ist, und zum anderen weil hier einige der besten Berliner Spielerinnen ausgebildet werden, mit denen ich gerne zusammenspiele.“ Beide wünschen sich dasselbe: Mädchen- und Frauenfußball soll stärker in den Fokus rücken – bei Hertha BSC und bundesweit.

Eine starke Partnerschaft

Für mehr Aufmerksamkeit braucht es starke, vor allem verlässliche Partner. Bereits seit der Saison 2023 /24 prangt auf dem Ärmel der Mädchen- und Frauenmannschaften das Logo der STADT UND LAND FACILITY. „Uns ist es wichtig, junge Talente früh zu fördern. Hertha BSC als Traditionsverein ist da natürlich ein idealer Partner“, beschreibt Tobias Mette, Geschäftsführer der STADT UND LAND FACILITY.

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Der Reiz des Frauenfußballs

Frauenfußball steht oft im Schatten der Männer. Doch die Zahl der Spielerinnen wächst – und mit ihr die Zahl der Fans. Für Sofian Chahed ist das leicht zu erklären: „Während der Profifußball stark von Professionalität und medialer Aufmerksamkeit geprägt ist, stehen im Frauenfußball für viele Fans die unmittelbare Nähe und das gemeinsame Erlebnis im Mittelpunkt.“ Inzwischen kommen zu den Spielen rund 400 Fans. Sie feuern die Herthanerinnen an, jubeln, leiden und feiern mit ihnen. Darunter auch zwei engagierte Fanclubs: „Westend Girls“ und „Donna Hertha“.
Nelly Palmer hat auch schon eine Idee, wie es in Zukunft weitergehen sollte: „Es ist mein größter Wunsch, mit meiner Mannschaft in die 2. Bundesliga aufzusteigen und damit vor allem heranwachsende Nachwuchsspielerinnen in Berlin zu ermutigen, an ihren eigenen Fußballweg zu glauben.“