Entdeckungsreise der besonderen Art

Entdeckungsreise der besonderen Art
Gesichter und Geschichten aus der High-Deck-Siedlung
Was prägt die Quartiere einer Stadt? Nur ihre Architektur, ihr öffentlicher Raum oder ihre Historie? Es sind vor allem die Menschen. Diese Idee stand Pate für das Projekt „Entdecke das High-Deck in Dir!“. Entstanden ist ein beeindruckendes Zeitdokument, das sich einfühlsam und sachkundig der Neuköllner High-Deck-Siedlung widmet und Neugier weckt.
Unter dem Titel „Entdecke das High-Deck in Dir!“ wurde zunächst eine Fotoausstellung erstellt, die die Menschen zeigt, die in der Siedlung leben und arbeiten. Ergänzt durch Videointerviews mit Bewohnerinnen und Bewohnern gelingt es nicht nur, die Menschen aus dem Quartier vorzustellen. Die Porträts machen noch weit mehr sichtbar: ihre Geschichten, Erfahrungen und Perspektiven, die diesen Ort zur Heimat für rund 6.000 Menschen machen.
Eingebettet zwischen Beton und vielen bepflanzten Balkonen findet sich ein lebendiger, vielfältiger Mikrokosmos, den das Projekt sichtbar macht. In Porträts, Zitaten und Videointerviews öffnen sich die Bewohnerinnen und Bewohner und teilen, was ihnen Zuhause, Gemeinschaft und Alltag bedeuten. Hier können Sie vier ausgewählte Porträts aus der Ausstellung nachlesen.
Vier Gesichter – stellvertretend für das Quartier
„Gemeinschaft macht das Leben schön“, sagt Margareta Grothehusmann. Sie lebt seit 2006 in der High-Deck-Siedlung. Mit ihren 85 Jahren ist sie fest im Stadtteil verwurzelt – aktiv, lebensfroh und immer in Bewegung. Für sie ist die Siedlung mehr als ein Wohnort: ein Zuhause voller Begegnungen, Freundschaften und Leben. Ob beim Grillen auf der Terrasse oder beim Internationalen Frauentag – Margareta Grothehusmann schätzt die röhlichen, multikulturellen Begegnungen in der Siedlung. Sie wünscht sich, dass das Stadtteilzentrum und das kleine Einkaufszentrum erhalten bleiben. Gemeinsam mit zwei anderen Frauen organisiert Margareta Grothehusmann alle vier Wochen einen Kaffeenachmittag in einem Treffpunkt im Haus Leonberg. Ein liebevoll gestaltetes Plakat lädt die Nachbarschaft dazu ein – und jedes Mal wird aus einem einfachen Treffen ein Stück Zuhause. „Nach zwei Stunden gehen sie alle fröhlich nach Hause – das ist doch eine schöne Bestätigung.“
Sport und Ausflüge
Hussein Kassab lebt seit 1997 in der High-Deck-Siedlung. Er kennt den Kiez, die Menschen und ihre Geschichten – und engagiert sich mit Leidenschaft für die Gemeinschaft. Hussein Kassab arbeitete im Jugendzentrum, gemeinsam mit jungen Menschen aus der Siedlung. Er spielte mit den Kindern, machte Sport, organisierte Ausflüge und begleitete sie im Alltag. Durch seine Arbeit hat er viele Familien kennengelernt – und ist für viele Jugendliche zu einem verlässlichen Ansprechpartner geworden. „Ich spiele mit den Kindern, gehe mit ihnen auf Ausflüge und rede mit ihnen. Jeder braucht jeden.“ Hussein Kassab sieht die High-Deck-Siedlung positiv, wünscht sich aber Verbesserungen in einigen Bereichen: mehr Sauberkeit und bessere Parkmöglichkeiten. Er möchte, dass mehr Menschen die Siedlung kennenlernen – nicht nur aus der Ferne, sondern vor Ort. Sein Fazit: „Man darf nicht nur zuhören, man muss es selbst erleben.“
Tischtennis und Insektenhotel
Seit einem Vierteljahrhundert lebt Heike Lauterbach in der High-Deck-Siedlung. Auch für sie ist der Ort längst mehr als nur Wohnraum – er ist ein Stück Heimat, in dem sie sich aktiv einbringt, Natur und Nachbarschaft verbindet und sich für das Miteinander stark macht. Heike Lauterbach liebt Bewegung und Gemeinschaft: Sie spielt regelmäßig Tischtennis, geht spazieren, um den Kopf freizubekommen, und engagiert sich beim Aufbau von Projekten wie dem Insektenhotel, zu denen sich Nachbarinnen und Nachbarn treffen und austauschen können. „Man lernt viele Menschen kennen und bekommt ihre Sorgen viel direkter mit“, fasst sie zusammen. Heike Lauterbach wünscht sich, dass das High-Deck sauberer, bunter und lebendiger wird. Mehr Bewusstsein für Mülltrennung, schönere Orte für Kinder, mehr Farbe und Gestaltung – und vor allem: mehr Zusammenhalt. „Akzeptanz spielt eine große Rolle“, weiß Heike Lauterbach. „So wie es in den Wald hineinschallt, so schallt es auch wieder heraus.“
Menschlichkeit und Respekt
Geboren in Tunesien, lebt Meriame Haase seit Ende 2011 in der High-Deck-Siedlung. Sie ist heute alleinerziehende Mutter von vier Kindern – und eine Frau, die mit Herz, Offenheit und Stärke für ihre Familie und ihre Nachbarschaft da ist. An andere Frauen – besonders Migrantinnen – richtet sie eine klare, aufrichtige Botschaft: „Euer Leben endet nicht, weil ihr alleinerziehend oder weil ihr Frauen seid. Seid stolz, dass ihr Frauen seid.“ Sie kennt fast alle Menschen in ihrer Nachbarschaft – unabhängig von Herkunft, Hautfarbe oder Religion. Für sie zählen Menschlichkeit und gegenseitiger Respekt. Sie ist stolz darauf, mit Menschen verschiedenster Nationalitäten befreundet zu sein und füreinander einzustehen. „Mir ist egal, woher jemand kommt oder welche Religion er hat“, so Meriame Haase, „wichtig ist, dass wir friedlich sind und uns helfen.“
Augen auf!
Die Ausstellung ist Teil einer langfristigen Imagekampagne, die das High-Deck-Quartier bekannter machen soll. Sie wird gefördert aus dem Programm „Sozialer Zusammenhalt“ und wird vom QM High-Deck-Siedlung / Sonnenallee Süd begleitet. Konzipiert wurde sie von der MALI gGmbH. Die Ausstellung startete im öffentlichen Raum – an Laternenpfählen, Sichtschutzwänden und Plakaten im gesamten Viertel – und wird als Wanderausstellung an verschiedenen Orten fortgesetzt. So war sie beispielsweise bis Februar 2026 im Rathaus-Center Pankow zu sehen.
Weitere Infos und Stationen der Ausstellung: www.maliberlin.de/High-Deck-Siedlung.htmlDieser Link führt zu einer externen Seite
Mehr zum Quartiersmanagement: www.high-deck-quartier.deDieser Link führt zu einer externen Seite