Gegen das Vergessen

Gegen das Vergessen
Stolpersteine erinnern in Johannisthal an die jüdische Familie Levi, die bis zu ihrer Flucht dort gelebt hat

© privat
Vier neue Stolpersteine wurden am 23. Januar 2026 vor dem Wohnhaus Greifstraße 16 in Berlin-Johannisthal verlegt. Darauf zu lesen sind die Namen von Moritz und Frieda Levi sowie ihrer gemeinsamen Söhne Chaim und Siegbert. Mehrere Jahre lebte die Familie an dieser Adresse, bevor sie 1935 infolge nationalsozialistischer Verfolgung, Enteignung und Entrechtung gezwungen war, Deutschland zu verlassen und nach Palästina zu fliehen.
Stolpersteine machen Geschichte im öffentlichen Raum sichtbar und halten das Gedenken im Alltag wach. In Berlin erinnern inzwischen rund 12.000 Stolpersteine an verfolgte und ermordete Menschen. Die in das Pflaster eingelassenen Minidenkmale sollen jedoch nicht nur erinnern. Vielmehr fungieren sie auch als „kleine, aber wirksame Bremsklötze gegen das Wiedererstarken rechtsextremer Tendenzen“, so Mathias Ehrich von der Stolperstein-Initiative beim Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Treptow, die die Verlegung initiiert hatte.
Zur feierlichen Verlegung der Steine waren neben zahlreichen Berlinerinnen und Berlinern auch Nachfahren der Levis aus Israel und Italien angereist: sechs Enkel und ein Urenkel. Denn durch ihre zeitige Flucht war die Familie dem Naziterror entkommen und konnte sich in Palästina ein neues Leben aufbauen. Moritz Levi starb 1965, seine Frau Frieda 1972. Chaim verstarb 1981, sein Bruder Siegbert im Jahre 2011.

© Anja Rütenik
Erinnerung als Verantwortung
Als landeseigenes Wohnungsunternehmen hat die STADT UND LAND eine besondere Verantwortung, die Geschichte ihrer Bestände sichtbar zu machen – auch die Brüche, das Unrecht und die Verfolgung, die sich an diesen Orten während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ereignet haben. Das Unternehmen versteht die Verlegung der Stolpersteine als bewusstes Zeichen der Haltung – dort, wo Geschichte konkret verortet ist. „Wohnhäuser sind Orte des Alltags und des Zusammenlebens. Gerade deshalb ist es wichtig, an die Menschen zu erinnern, die hier gelebt haben und durch die NS-Diktatur aus ihrer Existenz verdrängt wurden“, so Geschäftsführer Ingo Malter. „Diese Erinnerung ist Teil unserer gesellschaftlichen Verantwortung – und sie ist zugleich ein klares Bekenntnis gegen Antisemitismus, Rassismus und jede Form von Ausgrenzung heute.“