Was so kreucht und fleucht

Was so kreucht und fleucht
Marie Parakenings erzählt Kurioses über die Fauna in der Hauptstadt

© Janis Brod
Wussten Sie, dass es in der Spree 27 Fischarten gibt? Dass Nebelkrähen am Hauptbahnhof ordentlich Randale veranstalten und die hiesigen Buchfinken einen eigenen Berliner Dialekt zwitschern? Diese und weitere spannende Fakten über die Tierwelt in der Stadt hat die Illustratorin Marie Parakenings in ihrem Buch „Berliner Tiere“ versammelt.
„Ich bin schon mein Leben lang eine große Tierliebhaberin“, berichtet Marie Parakenings. „Als Kind habe ich mit Weinbergschnecken oder Kellerasseln gespielt, in meinem Lupenglas Käfer bewundert oder ausdauernd Ameisen auf den Gehwegen im Zoo beobachtet.“ Diese Tiere fand sie damals faszinierender als Elefanten oder Giraffen – zum Leidwesen ihrer Eltern, die den Eintritt in den Zoo bezahlt hatten.
Die Idee für „Berliner Tiere“ kam der Gestalterin vor einigen Jahren beim Langen Tag der StadtNatur. Das von der Stiftung Naturschutz Berlin initiierte Event findet seit 2007 einmal jährlich statt und möchte auf den Schutz der heimischen Fauna aufmerksam machen. Eine Fahrt auf der Spree mit dem Berliner Wildtierexperten Derk Ehlert war der Aha-Moment. „Ich war verblüfft, wie groß die Artenvielfalt allein an der Spree ist und auch darüber, wie wenig ich davon wusste“, sagt Marie Parakenings. „Und das in meiner eigenen Heimatstadt! Das wollte ich ändern. So kam die Idee, ein Buch zu machen, in dem ich die aus meiner Sicht spannendsten Berliner Tiere vorstelle, um auch andere Stadtkinder und Naturbanausen dazu zu bringen, mehr über ihre tierischen Nachbarn zu erfahren.“
Entstanden ist das Buch „Berliner Tiere“ schließlich als Bachelorarbeit im Rahmen ihres Studiums an der Kunsthochschule Weißensee. Innerhalb von fünf Monaten musste das Buch geschrieben, illustriert und gestaltet sein. Wie hat Marie Parakenings für das Buch recherchiert? „Vieles habe ich beim Langen Tag der StadtNatur gelernt oder von meinem Onkel und einem meiner besten Freunde, beides Ornithologen“, so die Illustratorin. „Aber das meiste habe ich aus anderen gängigen Naturführern, Online-Lexika, Zeitungsartikeln, Artenporträts vom NABU oder aus Naturdokus. Auch die tolle App ‚Naturblick‘ des Berliner Naturkundemuseums war eine große Hilfe.“ Ein Verlag war recht schnell gefunden: Der kleine Moabiter „Kulturverlag Kadmos“ brachte „Berliner Tiere“ heraus.
Wahre Vielfalt mitten in der Stadt
Statt einer klassischen Gliederung nach Tierarten oder Lebensräumen findet man in dem Buch einen Zahlen-Countdown. Los geht es mit den sechs Millionen Ratten, die sich in Berlin tummeln, über die 569 Weinbergschnecken, die den Bau eines Tagungshotels in Dahlem blockierten oder den 63 Meter hohen Rathausturm in Neukölln, auf dem ein Berliner Turmfalke seinen Lieblingsplatz hat, bis hin zur Mönchsgrasmücke, die trotz ihres Namens null Prozent mit der kleinen Stechmücke verwandt ist. Die wunderschönen Illustrationen zu den Texten sind auf Grundlage eigener Beobachtungen, Videos und Fotos der jeweiligen Tiere entstanden. Auf die Frage, welches der rund 90 Tiere sie am liebsten gezeichnet hat, antwortet Marie Parakenings: „Die Stadttaube mit ihrem kleinen Häufchen hat mir besonders Freude bereitet beim Zeichnen. Oder der Fuchs mit dem Döner im Maul.“
Mit einem Fuchs hatte die 32-Jährige selbst schon ein kurioses Erlebnis: „Mir wurde im Garten meiner Eltern in Pankow mal von einem Fuchs meine lederne Birkenstock-Latsche geklaut. Ich habe ihn noch weghuschen sehen. Einige Wochen später kam ein Nachbar vorbei, der den Schuh in seinem Garten entdeckt hat – zwar mit deutlichen Bissspuren, aber ansonsten vollkommen intakt.“
Nach ihrem eigenen Lieblingstier gefragt, muss Marie Parakenings etwas überlegen. „In Berlin freue ich mich immer besonders, wenn ich Stare sehe. Diese wunderschön lila, grün und bronze schillernden Vögel faszinieren mich so sehr, und ich liebe es, sie zu beobachten, wie sie auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofs oder am Alex herumtrippeln, in Pfützen baden oder frech Pommes von den Bistrotischen wegschnappen“, erzählt die Berlinerin und fügt noch ein paar spannende Fakten über Stare hinzu: „Sie können auch verschiedene Töne, wie das typische, ältere S-Bahn-Signal ‚Dööö-deeee-dööö‘ nachahmen und haben schon dafür gesorgt, dass ein Fußballspiel abgebrochen werden musste. Weil Stare im Stadion die Schiri-Pfeife so originalgetreu nachahmten, waren die Spieler zu verwirrt. Das finde ich einfach faszinierend.“
Wer „Berliner Tiere“ gelesen hat, geht ganz bestimmt mit anderen Augen durch die Stadt und sieht so manches Tier in neuem Licht. Und weil das Buch so gut ankommt, wird es nicht nur eine erweiterte Neuauflage geben, sondern noch weitere Bände zu anderen Städten und Regionen sowie zur Ost- und Nordsee. Informationen dazu finden Sie auf der Website von Marie Parakenings.
www.marieparakenings.comDieser Link führt zu einer externen Seite