„Wer mitbestimmen will, sollte wählen gehen – oder selbst kandidieren!“
Heike Kasten-Nkongolo im Gespräch über die Arbeit des Mieterrats und die anstehende Mieterratswahl: Im Jahr 2027 wählen die Mieterinnen und Mieter der STADT UND LAND wieder einen neuen Mieterrat. STADT UND LAND – Das Magazin hat mit Heike Kasten-Nkongolo gesprochen: Sie sitzt seit März 2025 dem Mieterrat vor und ist seit März 2026 zudem stimmberechtigtes Mitglied im Aufsichtsrat des Unternehmens. Im Interview erzählt sie, was den Mieterrat von einer Beschwerdestelle unterscheidet, wie der Austausch mit der STADT UND LAND funktioniert – und warum sich eine Kandidatur oder zumindest die Teilnahme an der Wahl lohnt.

Heike Kasten-Nkongolo
© Photothek/Thomas Truschel
Wie lange sind Sie schon im Mieterrat aktiv, und wie sind Sie damals dazu gekommen?
Ich bin seit 2022 im Mieterrat aktiv. Angefangen hat alles ganz klassisch mit einem Brief der STADT UND LAND, in dem über die Wahl des Mieterrats informiert wurde und dass Kandidatinnen und Kandidaten gesucht werden. Ich kannte die Arbeit von Mieterbeiräten und dachte: Mieterrat – das interessiert mich. Das betrifft nicht nur mein direktes Wohnumfeld, sondern das gesamte Unternehmen. Da geht es nicht nur um eine einzelne Heizung, sondern beispielsweise ein Modernisierungsprojekt für ein ganzes Quartier. Ich möchte den Mietenden eine Stimme geben und mitreden. Also habe ich kandidiert, bin im Wahlkreis Neukölln auf dem zweiten Platz gelandet und dann sehr schnell nachgerückt.
Was hat Sie persönlich am meisten überrascht, als Sie angefangen haben?
Wie viel Neues man durch dieses Ehrenamt lernen kann und wieviel Fachwissen man sich dabei so ganz nebenbei aneignet. Ich hatte am Anfang keine Ahnung von Investitionsplanungen oder Modernisierungsumlagen. Aber die STADT UND LAND hat uns dabei mit Schulungen sehr unterstützt, und man wächst mit den Aufgaben. Überrascht hat mich auch, wie ernst unsere Stellungnahmen im Unternehmen genommen werden – das ist keine Alibi-Veranstaltung.
Können Sie kurz erklären, welche Aufgaben der Mieterrat konkret hat?
In einem Satz: Der Mieterrat vertritt die Interessen der Mieterinnen und Mieter im Unternehmen. Er prüft die Investitions- und Modernisierungsplanungen der STADT UND LAND und nimmt dazu Stellung – im Sinne aller Mieterinnen und Mieter, nicht nur einzelner Häuser. Dazu gehören auch Themen wie Neubau, Instandhaltung oder größere Umbauten im Bestand. Wir sind also die strukturelle Stimme der Mieterschaft gegenüber dem Unternehmen.
Der Mieterrat ist also keine Beschwerdestelle – können Sie erklären, warum das so ist und wo sich Mieterinnen und Mieter stattdessen hinwenden sollten?
Das ist ein Missverständnis, das mir oft begegnet. Wenn zum Beispiel die Heizung ausfällt oder eine Reparatur ansteht, ist der Zentrale Kundenservice der richtige Ansprechpartner – oder der jeweilige Immobilienverwalter vor Ort. Aufgabe des Mieterrates sind nicht Einzelfälle, sondern die großen Linien: Wie entwickelt sich der Bestand? Was bedeuten geplante Modernisierungen für die Mieten? Wo braucht es aus Mietersicht Nachbesserungen? Für die konkrete Alltagsanfrage sind die Mitarbeitenden der STADT UND LAND die ersten und richtigen Ansprechpartner.
Wie sieht die Vertretung des Mieterrats im Unternehmen konkret aus?
Das sichtbarste Instrument ist mein Sitz im Aufsichtsrat der STADT UND LAND, den ich seit März 2026 wahrnehme. Dort bringe ich die Perspektive der Mieterschaft in strategische Entscheidungen ein. Ergänzt wird das durch regelmäßige Gespräche mit der Geschäftsführung und durch unsere Stellungnahmen zur Investitionsplanung, die wirklich gelesen und diskutiert werden.
Können Sie ein Beispiel nennen, bei dem der Mieterrat tatsächlich etwas bewirkt hat?
Bei mehreren Modernisierungsvorhaben haben wir erreicht, dass der zeitliche Ablauf stärker an den Bedürfnissen der Bewohnerinnen und Bewohner ausgerichtet wurde – etwa mit längeren Ankündigungsfristen oder zusätzlichen Informationsveranstaltungen vor Ort. Das klingt unspektakulär, macht für die Betroffenen aber einen echten Unterschied.
Im nächsten Jahr stehen die Wahlen zum Mieterrat an – was genau passiert dabei?
2027 wählen die Mieterinnen und Mieter von sechs landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften – so auch bei der STADT UND LAND – einen neuen Mieterrat. Das Ganze läuft über eine unabhängige Wahlkommission, die von Mieterinnen und Mietern ehrenamtlich besetzt wird. Wer sich zur Wahl stellen möchte, kann kandidieren; alle können ihre Stimme per Briefwahl abgeben.
Warum lohnt es sich für Mieterinnen und Mieter, sich zu beteiligen – als Wählerin oder Wähler, aber auch als Kandidatin oder Kandidat?
Weil der Mieterrat wirklich etwas zu sagen hat – mit dem Sitz im Aufsichtsrat sitzen Mieterinnen und Mieter buchstäblich mit am Tisch, wenn über Millioneninvestitionen entschieden wird. Wer kandidiert, bringt seine eigene Perspektive und Erfahrung aus dem Kiez direkt ein. Und wer wählt, entscheidet mit, wer diese Stimme in den nächsten Jahren führt. Man muss dafür keine Immobilienexpertin oder kein Finanzexperte sein – Neugier und der Wille, sich einzuarbeiten, reichen völlig.
Was sind die Voraussetzungen, um sich selbst zur Wahl zu stellen?
Man muss volljährige Mieterin oder Mieter der STADT UND LAND sein und ein wenig Zeit mitbringen – die Arbeit ist ehrenamtlich, aber sie erfordert auch Engagement. Eine Bewerbung reicht unkompliziert über ein Kandidaturformular, das über die STADT UND LAND bekannt gegeben wird. Vorkenntnisse sind kein Muss, wir alle haben irgendwo angefangen.
Was würden Sie jemandem sagen, der denkt: „Meine Stimme macht sowieso keinen Unterschied“?
Dass genau diese Haltung dazu führt, dass am Ende wenige für viele entscheiden. Der Mieterrat vertritt rechnerisch Zehntausende Wohnungen – jede einzelne Stimme trägt dazu bei, wie stark und wie glaubwürdig diese Vertretung ist. Eine hohe Wahlbeteiligung stärkt unsere Position gegenüber dem Unternehmen und auch gegenüber der Politik.
„Mitbestimmung lebt davon, dass Menschen mitmachen. Ob als Kandidatin, Kandidat oder als Wählerin und Wähler – jede Beteiligung an der Mieterratswahl 2027 stärkt die Stimme der Mieterschaft bei der STADT UND LAND.“
Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Mieterrats?
Dass die Mitwirkungsrechte weiter ausgebaut werden und wir noch enger mit den Mieterbeiräten in den Kiezen zusammenarbeiten. Und ganz konkret für 2027: eine spürbar höhere Wahlbeteiligung als beim letzten Mal.
Gibt es etwas, das Sie den Leserinnen und Lesern unbedingt noch mitgeben möchten?
Nur so viel: Schauen Sie im nächsten Jahr genau hin, wenn die Post von der STADT UND LAND kommt – ob als Aufruf zur Kandidatur oder als Wahlunterlagen. Es dauert nur wenige Minuten, aber man entscheidet mit, wie stark Mieterinnen und Mieter bei der STADT UND LAND in den nächsten Jahren mitreden können.
Alle Informationen zur Mieterratswahl 2027 sowie die Kandidatur- und Wahlunterlagen finden Sie zu gegebener Zeit hierDieser Link führt zu einer externen Seite.